Mittwoch, 8. Mai 2013

Tempolimit - Rationalität oder Bauchgefühl?

Von Robin Voss

Der Stern frägt, Sigmar Gabriel antwortet: Die SPD fordert ein Tempolimit von 120 auf Bundesautobahnen.

Und das im Wahlkampf. Aua.

Tatsächlich ist es so, dass die SPD bereits auf ihrem Bundesparteitag 2007 beschloss, dass ein Tempolimit eingeführt werden soll. Sigmar Gabriel tut also das, was ein guter Parteivorsitzender tun sollte: Er repräsentiert die Beschlusslage der Partei, der er vorsitzt.

Generell spricht vieles für ein Tempolimit: Der Verkehrsfluss wird verbessert, die Verkehrssicherheit auch und es wird Sprit eingespart. Ich muss selber als leidenschaftlicher Autofahrer eingestehen, dass es durchaus zu gefährlichen Situationen kommen kann, wenn man mit hohem Tempo auf der Autobahn fährt und ein langsames Auto oder ein LKW ausschert. Nicht selten kam ich oft in kritische Situationen, führt mich mein Weg zu meinem Studienort über die weitgehend unbegrenzte A81. Und wenn ich spät dran bin (was ich zumindest morgends immer bin) tret ich auch aufs Gas und kriege die Quittung spätestens an der Tankstelle.

Doch weite Teile der Bevölkerung wollen das Tempolimit nicht. Der Grund liegt auf der Hand:
Wir Deutschen sind ein Volk der Autofahrer. Manch Hamburger oder Berliner schüttelt vielleicht den Kopf, aber auch aus Gründen der schlechten ÖPNV-Anbindung in weiten Landesteilen sind viele Menschen auf ein Auto angewiesen. Und vorallem in Baden-Württemberg, mit einer starken Automobilindustrie, ist die Begeisterung für schnelle PKW ungebrochen. Das erkennt man wenn man sich die Produktpalette schwäbischer Automobile anschaut: Bis zu momentan 630PS werden von Fahrzeugherstellern aus BW angeboten. Und ich unterhalte mich nicht selten mit Freunden über ihre Autos, ihre Erfahrungen, auch über Spritverbrauch, aber hauptsächlich über Leistung und Fahrverhalten.

Bei der Frage nach Tempolimits geht es wenig um Vernunft, es geht viel um das Wohlbefinden der Deutschen: Wir wollen kein Tempolimit. Ich kenne nicht wenige Menschen, die eine Wahlentscheidung von genau diesem Thema abhängig machen. Es ist ein sehr emotional geladenes Thema. Wenn ich schon zur Arbeit fahren muss, dann möchte ich auf der Heimfahrt wenigstens Gas geben können, auch wenn es der Stau verhindert. Man will keine Bevormundung. Bei vielen Bereichen kann man es ignorieren, es verdrängen, ob ich nun draußen rauchen muss oder nicht wird hinter dem Lenkrad egal, aber ich will nicht 120 fahren wenn mein Auto die doppelte Geschwindigkeit fahren kann. Das Lebensgefühl Auto macht aus, dass ich einsteigen und sagen kann „Wenn ich will, kann ich jetzt ans Meer fahren. Nach Spanien. Oder Portugal. Und das so schnell wie ich möchte. Ich bin der Herr über die Pferde unter meiner Motorhaube.“. Auch wenn ich nur nach Leonberg zur Arbeit fahren werde.

Ich will hier meine eigene Meinung gar nicht in den Vordergrund rücken, auch ich bin gegen ein Tempolimit. Hier geht es mir darum, dass sich die parlamentarische Demokratie von der Mehrheitsmeinung der Deutschen entfernt. Hier geht es um Vertrauensverlust in den Deutschen Staat.

Wenn jemals dieses Tempolimit zur Debatte im Bundestag kommen sollte, so wünsche ich mir einen Volksentscheid. Dies ist eine Einzelentscheidung, die nichts mit politischen Strömungen zu tun hat, nichts mit der Richtung in der Finanz-, Wirtschafts- oder Bildungspolitik, nicht mit der Zukunft Europas, was die wichtigen Themen dieser Zeit sind, hier geht es um EINE innenpolitische Sachfrage.
Meine Zeit als Pendler ist nebenbei vorbei: Seit heute fahre ich mit dem Zug zur Uni. Die Spritkosten waren mir zu hoch.

1 Kommentar:

  1. "Generell spricht vieles für ein Tempolimit" Das hast du gut erkannt ;).
    "Und ich unterhalte mich nicht selten mit Freunden über ihre Autos, ihre Erfahrungen, auch über Spritverbrauch, aber hauptsächlich über Leistung und Fahrverhalten." Das kannst du danach immer noch. Bis auf das Fahrverhalten über 120 km/h und deswegen könnt ihr trotzdem noch über Autos reden, da bin ich mir ganz sicher :).
    "Hier geht es mir darum, dass sich die parlamentarische Demokratie von der Mehrheitsmeinung der Deutschen entfernt." Nein definitiv nicht, denn CDU und FDP wollen das nicht und sind noch an der Regierung, ergo KEINE Entfernung der parlamentarischen Demokratie von der Mehrheitsmeinung der Deutschen in diesem Punkt, allerhöchsten kann man sagen, dass die SPD der Mehrheitsmeinung der Deutschen entgegensteht. Aber erst mal eine Umfrage abwarten :).
    "Hier geht es um Vertrauensverlust in den Deutschen Staat." Also das halte ich jetzt mal für stark übertrieben. Den Vertrauensverlust gibt es aus anderen Gründen.
    "Dies ist eine Einzelentscheidung", das ist genau genommen jedes Thema...
    "Bei der Frage nach Tempolimits geht es wenig um Vernunft, es geht viel um das Wohlbefinden der Deutschen" & "so wünsche ich mir einen Volksentscheid"
    Das will nicht in meinen Kopf rein. Warum sollten wir ausgerechnet bei der Debatte einen Volksentscheid durchführen, bei der es nicht auf sachliche Argumente ankommt? Wenn es schon gar nicht um Vernunft geht, wird "der Hahn gewinnen, der am lautesten kräht", das halte ich nicht für erstrebenswert.
    "Meine Zeit als Pendler ist nebenbei vorbei" Also sind Hopfen und Malz doch noch nicht verloren ;)

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