Von Florian Burkhardt
Rein von meiner Familienplanung bin ich
ein wirklich erschreckend biederer Mensch. Ich will später einmal im
Speckgürtel einer Großstadt leben, am allerbesten im Eigenheim, mit
einem guten Menschen verheiratet und am zwei oder mehr Kinder. Wenn
ich ehrlich bin, schwirren mir schon so ein paar Namen durch den
Kopf.
Rein von der Planung her bin ich der
Traum eines jeden Konservativen.
Das kleine Problem: Als Homosexueller
wäre mein Partner ein Mann. Und damit wird aus meinem feuchten Traum
jedes Konservativen so was wie einer der apokalyptischen Reiter des
Untergangs des Abendlandes. Zusammen mit der Frauenquote und dem
Mindestlohn. Allein durch die Tatsache, dass mein Partner das gleiche
Geschlecht hat, wie ich ändert alles.
Dabei ist Deutschland so etwas wie eine
der letzten Bastionen im Kampf gegen dieses “linksextreme
Hippiegetue“. Allein in Europa ist die Liste schon ziemlich lang:
die Niederlande, Belgien, Spanien (!), Norwegen, Schweden, Island,
Dänemark und nun auch bald Frankreich und Großbritannien. Man
könnte also sagen: Deutschland hinkt hinterher.
Dabei ist die Sache an sich eine
relativ simple: Homosexuelle Paare fordern für sich nur genau die
gleiche staatliche Anerkennung, wie sie auch heterosexuellen Paaren
zugutekommt. Sie fordern die gleiche steuerliche Gleichbehandlung wie
sie auch heterosexuellen Paaren zugutekommt. Und sie fordern für
sich das Recht Kinder zu adoptieren, wie es auch heterosexuellen
Paaren dürfen.
Mit keinem Wort wird in der Verfassung
dieser Republik gesagt, dass die Ehe nur zwischen Mann und Frau
existiert. Dass die Ehe unter einem besonderen Schutz steht, dass
wird in der Verfassung geäußert. Und daran will auch niemand
rütteln. Aber Ehe ist so viel mehr als nur die konservative
Mann-Frau-Beziehung. Die Ehe ist – zumindest in meinen Augen –
das Ja-Sagen zu einem langen und monogamen Leben in Liebe
miteinander. Und genau das sollte nicht nur, sondern muss in einer
modernen Demokratie auch homosexuellen Paaren zustehen. Alles andere
ist Diskriminierung.
Weil man wird zwar toleriert. Aber was
hat man den von dieser Toleranz? Einer Toleranz, die sagt, dass man
zwar tun und lassen darf, was man will, aber bloß nicht erwarten
soll, dass die Mehrheit das für gut befindet? Steht hinter dieser
„Toleranz“ nicht einfach nur der Glaube, dass Homosexualität
etwas Falsches ist, was man aber aus Sachzwängen erträgt, weil man
halt muss? Aber das ist eben das Problem: An Homosexualität ist
nichts falsch, sie ist nicht weniger, als heterosexuelle Liebe. Darum
ist das hier auch keine Frage der Toleranz. Sondern eine der
Gerechtigkeit. Es ist ungerecht die Liebe zwischen zwei Menschen
wegen eines Umstandes herabzusetzen, der zum einen nicht gefährlich
oder gar falsch ist und zum anderen niemandem schadet.
Heterosexuellen Paaren geht nichts verloren, wenn die Ehe geöffnet
wird. Und auch der Ehe geht nichts verloren, wenn sie als Institution
im 21. Jahrhundert ankommt. Das Bundesverfassungsgericht hat das
erkannt. Die SPD, die Grünen, die Linke, die FDP, sogar Teile der
Union haben es erkannt. Laut Umfragen hat es ein Großteil der
Bevölkerung erkannt. Und doch: Die Diskriminierung besteht weiter.
Ein heterosexueller Kommilitone von mir
schrieb in dieser Woche in seinem Blog, man müsse differenzieren
zwischen dem Menschen und der Homosexualität. Dass es nicht zu
erdulden sei, wenn ein Mensch wegen seiner sexuellen Orientierung
verfolgt wird, aber dass die Homosexualität und ihr Ausleben nicht
privilegiert werden sollten. Und ein weiterer Kommilitone meinte zu
mir ich müsse damit eben leben. Ich könne nicht „mit einem Bein
in China und mit dem anderen in Timbuktu stehen“ und müsste mich
ergo entscheiden.
Beide begehen sie den gleichen Fehler:
Sie denken hinter der Homosexualität stehe eine Entscheidung. Dass
man genauso homosexuell wird, wie man sich für einen neuen
Haarschnitt entscheidet. Aber das ist einfach nicht richtig. Man wird
nicht zum Homosexuellen, man ist es einfach. Das kann ich nicht
einfach abstellen. Und so geht es Tausenden Menschen. Und vielleicht
geht es von diesen Tausenden nur einigen wenigen so, dass sie sich
Kinder wünschen. Aber eine Gerechtigkeitsfrage lässt sich nicht mit
Argumenten der Quantifikation entkräften. Eine Gerechtigkeitsfrage
ist immer eine Prinzipienfrage. Es gibt hier eine Minderheit, der der
Staat Rechte vorenthält. Das Recht auf eine Ehe, das Recht auf eine
Familie, das Recht auf Kinder. Eine Demokratie sollte keine
Privilegien aufgrund von Geschlecht verteilen, aber genau das ist
hier der Fall. Und das finde ich ist nichts anderes als
Diskriminierung.
Es gibt mehr als genug Studien, die
beweisen, dass es Kindern nicht schadet, wenn sie in einer
Regenbogenfamilie aufwachsen. Das Bundesverfassungsgericht hat jetzt
der Bundesregierung wieder einen Tritt in den Hintern verpasst, damit
sie sich bewegt. Wieder wird Schwarz-Gelb dem widerwillig nachkommen.
Und bis zum nächsten Urteil wird sich wieder nichts tun. Aber die
Zeit drängt: Denn hinter den Homosexuellen gibt es noch andere
drängende Fragen: Wie umgehen mit anderen queeren Gruppen, zum
Beispiel dem Thema Transgender und Ähnlichem? Wie gehen wir mit
Pansexuellen um oder polyamor lebenden Menschen? Was machen wir mit
Menschen, die sich weder als Mann noch als Frau fühlen?
Unsere Gesellschaft ist viel
differenzierter und pluralistischer als wir uns das vorstellen
können. Egal wie die Mehrheit tickt, eine jede Minderheit hat
Rechte. Und wir als Gesellschaft müssen lernen mit diesen umzugehen.
Da hat die Union eine ganze Menge nachzuholen, aber auch in der SPD
müssen wir unseren Blick auf gesellschaftliche Realitäten
verfeinern. Denn nur, wenn wir diese im Blick behalten können wir den Anspruch
beibehalten, für Gerechtigkeit zu stehen. Und zwar für Gerechtigkeit
für alle Menschen.
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