Montag, 3. Juni 2013

Global Player oder lauter kleine Lichter?

Von Florian Burkhardt

„In fact, we live in a “G-3” world — one that combines U.S. military power and consumption, Chinese capital and labor, and European rules and technology.“ - Mark Leonard

Ich hatte in der vergangenen Woche das Vergnügen in Stuttgart an einer Model United Nations Konferenz teilzunehmen. Im Sicherheitsrat konnte ich – meiner Meinung nach recht erfolgreich – die Positionen und Interessen Großbritanniens vertreten. Eine Szene ist mir dabei besonders eindrücklich in Erinnerung geblieben: Der französische Delegierte sprach zum Thema Somalia davon, dass sich die EU stärker auch mit Personal in Somalia engagieren sollte. Als Großbritannien, eigentlich einer der engsten Verbündeten Frankreichs, musste ich dem widersprechen und sagte sinngemäß: „Großbritannien sieht diesen Punkt deutlich differenzierter als der Vertreter Frankreichs und wird sich weder an einer EU-Mission auf dem somalischen Festland beteiligen noch ihr zustimmen. Frankreich spricht hier nicht im Namen der EU, die EU hat zu dieser Position keine Meinung.“ Das Thema einer europäischen Mission war damit quasi erledigt.

Diese kurze Episode macht eine der größten Schwächen, die die EU hat mehr als deutlich: Gleichwohl sie der größte Wirtschaftsraum der Welt, einer der größten Entwicklungshilfegeber und eine der schlagkräftigsten Militärkomplexe der Welt ist, ist sie auf globaler Ebene ein kleines Licht. Außenpolitisch gesehen spielen die Nationalstaaten, hier vor allem zu nennen die „großen Drei“ Deutschland, Frankreich und Großbritannien, eine größere Rolle als die Union als Ganzes. Das hat verschiedene gute und weniger gute Gründe, ist jedoch zunehmend fatal. Eine der Hauptthesen dieses Textes soll deshalb sein: In Zeiten, in denen die BRICS-Staaten global an Einfluss gewinnen, ist die internationale Handlungsunfähigkeit der Union ein zunehmender Nachteil. Oder formulieren wir es so: In 15 Jahren kann die EU global in einer Liga mit China und den USA spielen oder Frankreich, Großbritannien und Deutschland können kaum mehr als kleine Lichter auf dem globalen Parkett sein. Geht man zudem davon aus, dass globale Multipolarität, wie sie gerade entsteht, Kriege und Krisen begünstigt, dann wird aus dem ersten Szenario ein geopolitisches Muss.

Zwar ist die EU heute in ihrer Handlungsfähigkeit nicht so eingeschränkt, wie das auf den ersten Blick scheinen mag, das jüngste Abkommen zwischen Serbien und dem Kosovo unter Moderation von Lady Ashton und die knapp 30 zivilen und militärischen EU-Missionen im Ausland sprechen für sich. Aber die Gegenbeispiele sind eben deutlich zahlreicher. Hier zu nennen sind beispielsweise das Abstimmungsverhalten als es um Palästina ging, die uneinige Haltung zur Situation in Syrien oder das bekannteste Beispiel: Das Versagen um das Finden einer gemeinsamen Position 2003 bei der Militärintervention im Irak.

Jedoch und da sind wir uns sicher alle einig, gibt es durchaus noch mehr Raum für eine außen- und sicherheitspolitisch handlungsfähigere EU, wobei sicherheitspolitische Handlungsfähigkeit nicht gleich militärisches Abenteuertum ist und außenpolitische Handlungsfähigkeit nicht gleich globale Großmannssucht ist, sondern vielmehr ein logischer Zwang infolge von Assymmetrierung, Globalisierung und Veränderung. Mal ganz davon abgesehen wie viel Geld man durch europäische Streitkräfte, und sei es nur durch „pooling and sharing“ sparen könnte.

Das sich die Sozialdemokratie in Deutschland für eine handlungsfähigere Union einsetzen sollte, ist meiner Ansicht nach Pflicht. Dieser Aspekt tritt durch die „Euro-Krise“ in den Hintergrund, obwohl jetzt ein wichtiger Zeitpunkt dafür ist, ehe sich das Globale Spielfeld endgültig mutlipolar verfestigt. Von daher kann es als ein positives Zeichen gesehen werden, dass Ende 2013 ein EU-Gipfel zum Thema Außen- und Sicherheitspolitik stattfinden wird, auch wenn aller Voraussicht nach maximal einige kleine Schritte vorwärts gemacht werden.

Gerade die deutsche Außenpolitik, die sich stets als „eingebettet“ in die europäische Außenpolitik begriffen hat, könnte sich selbst überflüssig machen zugunsten einer europäischen Außenpolitik, oder wenn man es überspitzt formulieren will: Will die deutsche Außenpolitik ihrer Tradition bleiben muss sie sich als Vorreiter definieren. Das ist meiner Einschätzung nach einer der wichtigsten Schritte hin zu einer außenpolitisch handlungsfähigeren EU. Dass der Regierung Merkel hierfür der Mut fehlt ist selbstredend. Das ist aber nur ein weiterer Stein im Mosaik der Gründe, warum diese Regierung abgewählt gehört.

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