Montag, 1. Juli 2013

Willkommen in der Familie

Von Florian Burkhardt

Seit Mitternacht ist die Republik Kroatien nun offiziell Mitgliedstaat der Europäischen Union. Seit der Unterzeichnung des Beitrittsvertrages im Dezember 2011 haben Kroatinnen und Kroaten ebenso wie die Regierungen der EU darauf gewartet und gehofft, dass dem Beitritt doch nicht noch etwas dazwischen kommt. Und nun ist es geschafft. Nummer 28 ist vollwertiger Teil der europäischen Familie.

Viel wurde im Voraus diskutiert und debattiert, ob der kleine Adriastaat bereit sei für die EU, ob die wirtschaftlichen und politischen Standards, die in den Kopenhagener Kriterien festgeschrieben sind, wirklich erfüllt wurden. Kritik ist immer berechtigt, vor allem wenn man die Geschichte bedenkt: Es ist erst 20 Jahre her, dass sich die Bundesrepublik Jugoslawien in blutigen Bürgerkriegen aufzulösen begann. Die Spannungen zwischen den Staaten auf dem Balkan sind immer noch existent und nicht wenige sagen, dass nur der Druck von NATO und EU und deren Militärpräsenz ein neues Aufflammen der Konflikte verhindern.

Und doch bleibt es dabei, der Beitritt Kroatiens ist ein Gewinn für den Balkan und die EU, und zwar aus zweierlei Gründen:

Erstens wird dadurch erneut die Rolle, die die EU als Stabilisatorin spielt, deutlich: Die Hoffnung auf Beitritt und nicht zuletzt die durch den Beitritt entstehende Verpflichtung zur friedlichen Kooperation und Koexistenz, erzeugen ein Klima, in dem die Beilegung historischer Streitigkeiten und Konflikte zum logischen Zwang wird. So wie durch die Kooperation zwischen den „Erbfeinden“ Deutschland und Frankreich eine Freundschaft entstand, kann es auch zwischen den Staaten auf dem Balkan geschehen. Dadurch stärkt die Union die Stabilität des Balkan.

Zweitens stärkt der Beitritt eines Staates erneut die Union. Nach außen wird dadurch wieder klar: Das System von immer engerer Integration, Aufgabe nationalstaatlicher Souveränitäten und friedlicher Kooperation ist immer noch beliebt. Trotz Euro-Krise bleibt die EU attraktiv und zeigt: Der Nationalstaat ist politisch nicht das Absolutum. Ihn zu überwinden und damit die Europa und die Welt friedlicher und sicherer zu machen, bleibt mit die Aufgabe der Sozialdemokratie.

Trotz allem positiven, bleibt sowohl Kroatien als auch der EU ein langer steiniger Weg. Kroatien muss die geschafften Fortschritte erhalten und sich weiter zu einer stabilen und sozialen Demokratie wandeln. Organisierte Kriminalität und Korruption sind Probleme, denen sich Kroatien mit der Hilfe seiner europäischen Partner widmen muss.

Die EU muss sich wiederum endlich trauen einen Schritt weiterzugehen, Demokratisierung ist hier das Stichwort. Wir müssen den Mut zeigen, dass wir ein starkes und geschlossenes, und vor allem ein politisch eigenständig handlungsfähiges Europa wollen. Die Stärkung der Rechte des Europäischen Parlaments ist dafür nur der erste Schritt. Langfristig müssen wir die Churchill'schen Vereinigten Staaten von Europa wagen. Das ist die Vision und dafür sollten wir als Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten einstehen.

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