Von Robin Voss
Die Piraten wollten anders sein. Sie
wollten frischen Wind in die Parteienlandschaft und die Parlamente
bringen. Die Piraten sind dabei zu scheitern.
Ich habe mich gefreut als die Piraten
in Berlin ins Landesparlament eingezogen sind, denn sie haben den
größten Teil ihrer Wähler aus ehem. Nichtwählern rekrutiert. Sie
haben somit einen Beitrag dazugeleistet, dass unsere parlamentarische
Demokratie wieder an Kraft und Legitimation gewinnt, sinken die
Wahlbeteiligungen doch seit Jahren konstant.
In den letzten Wochen und Monaten wurde
es in der Öffentlichkeit etwas stiller – es wurde nicht mehr so
exzessiv über die Internet-Partei berichtet wie noch nach den
Wahlerfolgen in Berlin, NRW, im Saarland und Schleswig-Holstein. Doch
es brodelt: Im Bundesvorstand herrscht Krieg gegen den politischen
Geschäftsführer Johannes Ponader, man spricht von bösen SMS vom
Fraktionsvorsitzenden der Berliner Piraten Christopher Lauer gegen
Ponader in denen er ihn zum Rücktritt auffordere, man spricht von
vorgezogenen Vorstandswahlen vor der Bundestagswahl, da das Klima
verhärtet ist und man den ein oder anderen austauschen möchte. Und
zum Überfluss trat der Landesvorsitzende der Baden-Württemberger
Piraten Lars Pallasch heute vom Amt zurück und aus der Partei aus,
nachdem er durchdringen lies, dass er Gewaltandrohungen von
Parteimitgliedern erhalten habe – nicht nur gegen ihn, sondern auch
gegen seine Frau und beiden Kinder.
Die Piraten
wollten anders sein, aber so anders? Ich finde es schade, wenn eine
junge Partei, abseits aller inhaltlichen Schwierigkeiten die ich mit
den Piraten habe – so war ihre klare Aussprache gegen
Rechtsextremismus beim letzten Parteitag viel zu spät -, sich selbst
so ins Abseits befördert. Unsere Demokratie lebt davon, dass es
möglich ist, dass Menschen sich abseits der etablierten Parteien
organisieren können und auch anschließend in der Lage sind in
Parlamente einzuziehen. Unser System erlaubt diese Durchlässigkeit,
in Amerika oder Großbritannien liegt die Politik in der Hand von 2
respektive 3 Parteien und es hat Jahrzehnte gedauert bis die Liberal
Democrats in London ins Unterhaus einziehen konnten.
Doch die Piraten scheinen
offensichtlich nicht zu verstehen, wie Politik funktioniert. Ihre
Führung wirkt teilweise überfordert, keiner weiss, wofür sie
stehen (zumal es auch einzigartig ist, dass ein Bundesvorsitzender
einer Partei behauptet, dass man nicht auf jedes politische Thema
eine Antwort wissen müsse), sie scheinen mit ihrem
basisdemokratischen Konzept überfordert und was für mich das
schlimmste ist – ihnen fehlen Werte.
Jede Partei vertritt eigene Werte,
welche den Leitfaden für die Politik der Partei bildet. Die SPD
vertritt Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität – an diesem
Leitfaden orientiert sich jeder Sozialdemokrat (manchmal gibt es auch
unterschiedliche Auffassungen dieser Werte in Sachfragen, dann wird
gestritten, aber jeder trägt diese Werte in sich). Die Piraten haben
solche Grundwerte nicht, einzig und allein die Freiheit des bzw. im
Internet lassen darauf schließen, dass sie eine liberale Partei sein
müssen. Ihr ehem. Vorsitzender Nerz war jahrelang in der CDU in
Tübingen aktiv, behauptet eine NPD-Parteimitgliedschaft sei in
Ordnung wenn es eine Jugendsünde sei – also eine linke Partei sind
sie demnach nicht unbedingt. Die Piraten haben zu viele Strömungen
in sich um effektiv Politik machen zu können.
Dennoch hoffe ich, dass die Piraten
diese Krise überwinden und sich in die Parteienlandschaft in
Deutschland eingliedern können. Warum? Weil ich denke, dass sie
frischen Wind in unsere Demokratie bringen. Aber wenn sie so
weitermachen wie bisher, so werden wohl ihre Wähler enttäuscht
werden – nicht weil sie nicht alles anders machen, sondern vieles
aber schlechter.
Klarmachen zum ändern, Herr Schlömer!
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