Montag, 4. Februar 2013

Klartext

Von Jan Hambach

„Saufen, rauchen und Klartext reden“ - nein, es geht nicht um die inzwischen schon wieder eingestellte Sendung „Roche & Böhmermann“, oder vielleicht doch....?

Welche Politiker sind heute meist beliebt?

Zum Beispiel Angela Merkel, bei ihr stehen kein Inhalte im Vordergrund, sondern vielmehr ihre angeblich unbestechliche, ruhige und unaufgeregte Art.

Viele ihrer Politikkollegen und -kolleginnen sind ihr ähnlicher, als man denkt. Nehmen wir beispielsweise Kristina Schröder, Philipp Rösler oder auch die Genossin Manuela Schwesig.
Ihnen allen, außer Merkel vielleicht, die das schamlos ausnutzt, was sie beliebt macht, ist eigentlich kein Vorwurf zu machen.

Sie alle haben gesehen, was heute passiert, wenn man von der vorgegebenen Bahn abweicht. Guttenberg, Steinbrück, Schavan, Wulff und Co. Abgesehen davon, ob sie nun wirklich einen Fehler begangen haben, oder nicht. Alle sind sie angeeckt; die Medien haben das geschickt ausgenutzt und schon hatte sie für mehrere Tage Schlagzeilen, die ihnen kaum Personal- und Zeitaufwand beschert haben.

Das hieraus resultierende Problem ist klar: Mit einfachem Populismus erreicht man sehr viele Leute und schafft Aufmerksamkeit; leider rücken dadurch diskussionswürdige, inhaltlich komplizierte, und/oder problematische Themen, die oftmals einen höheren Grad an Relevanz besitzen in den Hintergrund. Politik wird dadurch immer personalisierter und wirkt auch abstoßend; denn welcher Bürger möchte sich solch ein theatralisches, inhaltlich entleertes Schauspiel auf Dauer ansehen?

Andererseits muss man auch nach Ursachen suchen. Zum einen ist hier der historische Hintergrund vorheriger Generationen wichtig. Es ist einfach so, dass sich Philipp Rösler, aus alterstechnischen Gründen, nicht während des Naziregimes für Demokratie und Freiheit einsetzten konnte und seine politische Bewährungsprobe nicht schon vor seiner Amtszeit leisen konnte. Viele Politikergenerationen - auch die 68er – hatten diese Möglichkeit.

Ein anderer Grund sind die finanziellen Probleme vieler Verlage. Gedrucktes wird immer weniger gekauft, online wird nichts verlangt, wodurch es immer wichtiger wird Heerscharen von Lesern zu bekommen. Das einfachste Mittel hierfür ist purer Populismus.

Die Frage, die jetzt noch bleibt, ist wie man am besten aus diesem Teufelskreis ausbricht?

Meiner Meinung nach wäre es nötig für Inhalte Geld zu verlangen. So würden die Verlage nicht nur ihre finanzielle Situation aufbessern, sondern könnten, sofern es ihr Anspruch ist, wieder auf Inhalte setzen und so ihrer Verantwortung in unserer demokratischen Gesellschaft gerecht werden.
Ich halte es auch für überzogen zu sagen, dass deswegen Interessierte ausgeschlossen werden würden, da es zu internetfreien Zeiten auch funktionierte und heute online sogar weniger Geld verlangt werden könnte, da die Druckkosten ja entfielen.

Hoffen wir also, dass über kurz oder lang alle großen Verlage diesen Weg einschlagen werden, Populismus wieder weniger zählt und langfristig auch wieder mehr Menschen für Politik begeistert werden können, wenn sie merken, dass außerhalb des Theaters noch sachorientierte Politik betrieben wird.

Wenn dann noch die Politiker und Politikerinnen mitspielen und nicht jedes betretene Fettnäpfchen künstlich aufblasen, haben wir eine echte Chance auf ein besseres Zusammenleben von Menschen, Medien und Politik.

Automatisch würden sich unsere gewählten Volksvertreter auch wieder mehr trauen, einmal aneecken, dafür aber wirklich für etwas stehen und dafür kämpfen.

Dann würde auch ein künstlich herbeigeführter Zusammenbruch der Beliebtheit, wie bei Peer Steinbrück, nicht mehr so einfach möglich sein und Frau Merkel hätte Probleme wahrgenommen zu werden. Ihre Beliebtheit beruht seither auch mehr darauf, dass sie nicht Falsches getan hat. Ob sie aber vieles richtig gemacht hat ist eine andere Frage.

Das Anfangszitat ist übrigens von Marietta Slomka, die sich im Interview mit SPIEGEL ONLINE alte Verhältnisse und mehr Authentizität zurückwünscht.

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