„Saufen,
rauchen und Klartext reden“ - nein, es geht nicht um die inzwischen
schon wieder eingestellte Sendung „Roche &
Böhmermann“, oder vielleicht doch....?
Welche Politiker sind
heute meist beliebt?
Zum Beispiel Angela
Merkel, bei ihr stehen kein Inhalte im Vordergrund, sondern vielmehr
ihre angeblich unbestechliche, ruhige und unaufgeregte Art.
Viele ihrer
Politikkollegen und -kolleginnen sind ihr ähnlicher, als man denkt.
Nehmen wir beispielsweise Kristina Schröder, Philipp Rösler oder
auch die Genossin Manuela Schwesig.
Ihnen allen, außer Merkel
vielleicht, die das schamlos ausnutzt, was sie beliebt macht, ist
eigentlich kein Vorwurf zu machen.
Sie alle haben gesehen,
was heute passiert, wenn man von der vorgegebenen Bahn abweicht.
Guttenberg, Steinbrück, Schavan, Wulff und Co. Abgesehen davon, ob
sie nun wirklich einen Fehler begangen haben, oder nicht. Alle sind
sie angeeckt; die Medien haben das geschickt ausgenutzt und schon
hatte sie für mehrere Tage Schlagzeilen, die ihnen kaum Personal-
und Zeitaufwand beschert haben.
Das hieraus resultierende
Problem ist klar: Mit einfachem Populismus erreicht man sehr viele
Leute und schafft Aufmerksamkeit; leider rücken dadurch
diskussionswürdige, inhaltlich komplizierte, und/oder problematische
Themen, die oftmals einen höheren Grad an Relevanz besitzen in den
Hintergrund. Politik wird dadurch immer personalisierter und wirkt
auch abstoßend; denn welcher Bürger möchte sich solch ein
theatralisches, inhaltlich entleertes Schauspiel auf Dauer ansehen?
Andererseits muss man auch
nach Ursachen suchen. Zum einen ist hier der historische Hintergrund
vorheriger Generationen wichtig. Es ist einfach so, dass sich Philipp
Rösler, aus alterstechnischen Gründen, nicht während des
Naziregimes für Demokratie und Freiheit einsetzten konnte und seine
politische Bewährungsprobe nicht schon vor seiner Amtszeit leisen
konnte. Viele
Politikergenerationen - auch die 68er – hatten diese Möglichkeit.
Ein anderer Grund sind die
finanziellen Probleme vieler Verlage. Gedrucktes wird immer weniger
gekauft, online wird nichts verlangt, wodurch es immer wichtiger wird
Heerscharen von Lesern zu bekommen. Das einfachste Mittel hierfür
ist purer Populismus.
Die Frage, die jetzt noch
bleibt, ist wie man am besten aus diesem Teufelskreis
ausbricht?
Meiner Meinung nach wäre es nötig für Inhalte Geld zu verlangen. So würden die Verlage nicht nur ihre finanzielle Situation aufbessern, sondern könnten, sofern es ihr Anspruch ist, wieder auf Inhalte setzen und so ihrer Verantwortung in unserer demokratischen Gesellschaft gerecht werden.
Ich halte es auch für
überzogen zu sagen, dass deswegen Interessierte ausgeschlossen
werden würden, da es zu internetfreien Zeiten auch funktionierte und
heute online sogar weniger Geld verlangt werden könnte, da die
Druckkosten ja entfielen.
Hoffen wir also, dass über
kurz oder lang alle großen Verlage diesen Weg einschlagen werden,
Populismus wieder weniger zählt und langfristig auch wieder mehr
Menschen für Politik begeistert werden können, wenn sie merken,
dass außerhalb des Theaters noch sachorientierte Politik betrieben
wird.
Wenn dann noch die
Politiker und Politikerinnen mitspielen und nicht jedes betretene
Fettnäpfchen künstlich aufblasen, haben wir eine echte Chance auf
ein besseres Zusammenleben von Menschen, Medien und Politik.
Automatisch würden sich
unsere gewählten Volksvertreter auch wieder mehr trauen, einmal
aneecken, dafür aber wirklich für etwas stehen und dafür kämpfen.
Dann würde auch ein
künstlich herbeigeführter Zusammenbruch der Beliebtheit, wie bei
Peer Steinbrück, nicht mehr so einfach möglich sein und Frau Merkel
hätte Probleme wahrgenommen zu werden. Ihre Beliebtheit beruht
seither auch mehr darauf, dass sie nicht Falsches getan hat. Ob sie
aber vieles richtig gemacht hat ist eine andere Frage.
Das Anfangszitat ist
übrigens von Marietta Slomka, die sich im Interview mit
SPIEGEL ONLINE alte Verhältnisse und mehr Authentizität
zurückwünscht.
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