Dienstag, 11. Dezember 2012

Europäische Solidarität in Zeiten der Globalisierung

Von Robin Voss

Heute ist ein großartiger Tag für jeden Einwohner der europäischen Union – wir sind Friedensnobelpreisträger. Erzfeinde wie Frankreich und Deutschland wurden in den letzten Jahrzehnten zu Verbündeten, ja, sogar zu Freunden. Wir haben eine gemeinsame Währung, die trotz aller Krisen stärker und sicherer ist wie manch andere auf dem Weltmarkt bedeutende Währung. Wir haben Reisefreiheit, Arbeitnehmerfreizügigkeit und vorallem – Frieden.

Und doch gibt mir der heutige Tag zu bedenken: 3000 Einwohner der EU können nicht feiern. Opel schließt die Produktion von Fahrzeugen in Bochum. Ich musste hart schlucken, als ich davon hörte, fühle ich doch als Opelaner mit den Kolleginnen und Kollegen mit. Die Streichung von 3000 Stellen bedeutet auch 3000 Schicksale, 3000 Familien in der Erwerbslosigkeit.

Und wie so oft ist es nicht die Belegschaft, die diesen Schritt herbeigeführt hat – die Opel-Belegschaft und ihr Betriebsrat haben mit Lohnzurückhaltung und flexiblen Lösungen sogar versucht dem maroden Automobil-Hersteller vor Ort zu helfen. Es ist ein Missmanagement des Mutterkonzerns, der im Ausland Konkurrenz zu den hauseigenen Marken wie Saturn oder Chevrolet fürchtet (ungeachtet der Tatsache, dass diese Fahrzeuge oft auf Opel-Entwicklungen basieren), denn ein Automobilhersteller kann nur überleben, wenn er Absatzrückgänge auf einem Markt mit einem anderen Markt ausgleichen kann. Da Opel aber eine Marke ist, die nur auf bestimmten Märkten angeboten wird und nicht auf wachstumsstarken wie China (der Absatz in China sichert den anderen deutschen Autobauern momentan die Stückzahlen), so kann Opel den momentan schwachen Automobilmarkt in Südeuropa nicht ausgleichen.

Ich finde, dass dieses Beispiel eindrucksvoll eines zeigt: Wir leben in einer globalisierten Welt, insbesondere der stark exportorientierte Automobilmarkt ist ein gutes Beispiel dafür. Junge Menschen wie ich kennen diese Welt nur so, wir kennen nicht mehr die stark national orientierten Märkte des 20. Jahrhunderts. Um in dieser Welt zu bestehen und stark zu bleiben brauchen wir in Europa eines: Solidarität. Wenn wir nicht in Europa zusammenstehen ergeht es uns wie den Kolleginnen und Kollegen in Bochum, die die Bauernopfer einer zu regional geplanten Unternehmenspolitik sind. In China leben 1,3, in Indien 1,2 Milliarden Menschen. Wir Europäer sind mit 500 Millionen dagegen klein, wir Deutschen als größte Nation innerhalb der EU sind ohne EU weltweit unbedeutend – wir werden in dieser globalisierten Welt des 21. Jahrhunderts keine Rolle spielen wenn wir wieder auf nationale Ebenen zurückfallen. Ein Scheitern der europäischen Idee wäre ein historischer Fehler und gerade durch den rechten Rand der sogenannten bürgerlichen Parteien sehe ich diese großartige Idee gefährdet.

Ich fühle mit, meine Solidarität geht zu den Kolleginnen und Kollegen in Bochum, meine besten Wünsche für sie. Jetzt liegt es an der Nordrhein-Westfälischen Landesregierung, der Opel Geschäftsführung und der IG Metall vor Ort gute Übergangslösungen für die Beschäftigten zu finden, damit ihnen eine Perspektive geboten werden kann.

P.S. In unserer Garage steht ein waschechter Bochumer. Ich bedaure, dass es wohl unser Letzter sein wird.

1 Kommentar:

  1. So bitter es numal ist, man muss trotzdem feststellen, dass die in Europa gebauten Autos in Europa nicht abgesetz werden können. Es gibt über alle Autohersteller gemeinsam Überkapazitäten von bis zu 8 ganzen Werken. Die Schließung des Bochumer Werkes tut den einzelnen Beschäftigten weh, die dort ihren Arbeitsplatz verlieren. Sie brauchen nun die bestmögliche Unterstützung um andere Arbeitsplätze zu finden.
    Bleibt nur zu hoffen, dass mit diesem Schlussstrich nun auch die Konkurrenz unter den Opel-Werken wieder menschlicher wird. Denn bis raus war, welches Werk geschlossen wird, haben sich die anderen Opel-Werke Europas einen Wettkampf geleistet, wer die größeren Opfer bringt, um die Schließung des eigenen Werkes zu verhindern. Opel hat ausgenutzt, dass es keine europaweite Arbeitnehmervertretung gibt und die jedes einzelnen Landes auch nur an der eigenen Standortsicherung interessiert war. So wurden Lohnabschläge, Arbeitszeitverlänerungen, etc für mehrere Standorte ausgehandelt mit der Schließungsdrohung in der Hand.
    Ein vereintes Europa braucht auch vereinte Gewerkschaften und eine Solidarität, die nicht an der Landesgrenze aufhört.

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