Von Robin Voss
Heute ist ein großartiger Tag für
jeden Einwohner der europäischen Union – wir sind
Friedensnobelpreisträger. Erzfeinde wie Frankreich und Deutschland
wurden in den letzten Jahrzehnten zu Verbündeten, ja, sogar zu
Freunden. Wir haben eine gemeinsame Währung, die trotz aller Krisen
stärker und sicherer ist wie manch andere auf dem Weltmarkt
bedeutende Währung. Wir haben Reisefreiheit,
Arbeitnehmerfreizügigkeit und vorallem – Frieden.
Und doch gibt mir der heutige Tag zu
bedenken: 3000 Einwohner der EU können nicht feiern. Opel schließt
die Produktion von Fahrzeugen in Bochum. Ich musste hart schlucken,
als ich davon hörte, fühle ich doch als Opelaner mit den
Kolleginnen und Kollegen mit. Die Streichung von 3000 Stellen
bedeutet auch 3000 Schicksale, 3000 Familien in der Erwerbslosigkeit.
Und wie so oft ist es nicht die
Belegschaft, die diesen Schritt herbeigeführt hat – die
Opel-Belegschaft und ihr Betriebsrat haben mit Lohnzurückhaltung und
flexiblen Lösungen sogar versucht dem maroden Automobil-Hersteller
vor Ort zu helfen. Es ist ein Missmanagement des Mutterkonzerns, der
im Ausland Konkurrenz zu den hauseigenen Marken wie Saturn oder
Chevrolet fürchtet (ungeachtet der Tatsache, dass diese Fahrzeuge
oft auf Opel-Entwicklungen basieren), denn ein Automobilhersteller
kann nur überleben, wenn er Absatzrückgänge auf einem Markt mit
einem anderen Markt ausgleichen kann. Da Opel aber eine Marke ist,
die nur auf bestimmten Märkten angeboten wird und nicht auf
wachstumsstarken wie China (der Absatz in China sichert den anderen
deutschen Autobauern momentan die Stückzahlen), so kann Opel den
momentan schwachen Automobilmarkt in Südeuropa nicht ausgleichen.
Ich finde, dass dieses Beispiel
eindrucksvoll eines zeigt: Wir leben in einer globalisierten Welt,
insbesondere der stark exportorientierte Automobilmarkt ist ein gutes
Beispiel dafür. Junge Menschen wie ich kennen diese Welt nur so, wir
kennen nicht mehr die stark national orientierten Märkte des 20.
Jahrhunderts. Um in dieser Welt zu bestehen und stark zu bleiben
brauchen wir in Europa eines: Solidarität. Wenn wir nicht in Europa
zusammenstehen ergeht es uns wie den Kolleginnen und Kollegen in
Bochum, die die Bauernopfer einer zu regional geplanten
Unternehmenspolitik sind. In China leben 1,3, in Indien 1,2
Milliarden Menschen. Wir Europäer sind mit 500 Millionen dagegen
klein, wir Deutschen als größte Nation innerhalb der EU sind ohne
EU weltweit unbedeutend – wir werden in dieser globalisierten Welt
des 21. Jahrhunderts keine Rolle spielen wenn wir wieder auf
nationale Ebenen zurückfallen. Ein Scheitern der europäischen Idee
wäre ein historischer Fehler und gerade durch den rechten Rand der
sogenannten bürgerlichen Parteien sehe ich diese großartige Idee
gefährdet.
Ich fühle mit, meine Solidarität geht
zu den Kolleginnen und Kollegen in Bochum, meine besten Wünsche für
sie. Jetzt liegt es an der Nordrhein-Westfälischen Landesregierung,
der Opel Geschäftsführung und der IG Metall vor Ort gute
Übergangslösungen für die Beschäftigten zu finden, damit ihnen
eine Perspektive geboten werden kann.
P.S. In unserer Garage steht ein
waschechter Bochumer. Ich bedaure, dass es wohl unser Letzter sein
wird.
So bitter es numal ist, man muss trotzdem feststellen, dass die in Europa gebauten Autos in Europa nicht abgesetz werden können. Es gibt über alle Autohersteller gemeinsam Überkapazitäten von bis zu 8 ganzen Werken. Die Schließung des Bochumer Werkes tut den einzelnen Beschäftigten weh, die dort ihren Arbeitsplatz verlieren. Sie brauchen nun die bestmögliche Unterstützung um andere Arbeitsplätze zu finden.
AntwortenLöschenBleibt nur zu hoffen, dass mit diesem Schlussstrich nun auch die Konkurrenz unter den Opel-Werken wieder menschlicher wird. Denn bis raus war, welches Werk geschlossen wird, haben sich die anderen Opel-Werke Europas einen Wettkampf geleistet, wer die größeren Opfer bringt, um die Schließung des eigenen Werkes zu verhindern. Opel hat ausgenutzt, dass es keine europaweite Arbeitnehmervertretung gibt und die jedes einzelnen Landes auch nur an der eigenen Standortsicherung interessiert war. So wurden Lohnabschläge, Arbeitszeitverlänerungen, etc für mehrere Standorte ausgehandelt mit der Schließungsdrohung in der Hand.
Ein vereintes Europa braucht auch vereinte Gewerkschaften und eine Solidarität, die nicht an der Landesgrenze aufhört.