Mittwoch, 19. Dezember 2012

Waffen töten!


 Von Robin Voss

Ich bin gottfroh, dass ich in diesem Teil der ersten Welt geboren wurde. Und nicht in Amerika. Es ist Wahnsinn, dass fast jeder Amerikaner eine Waffe dort besitzt, ich bin froh, dass Deutschland diese Zustände nicht kennt.

Dennoch dürfen wir nicht vergessen, dass wenn das Wort Winnenden fällt wahrscheinlich jeder, der nicht in der Region Stuttgart wohnt, nicht an die beschauliche Kleinstadt im Rems-Murr-Kreis denkt sondern an den Amoklauf in der dortigen Realschule. Auch sollten wir nicht vergessen, dass Robert Steinhäuser 2002 in Erfurt 17 Menschen an seiner alten Schule umbrachte. Amokläufe sind ein Phänomen der vergangenen Jahre, ich verstehe bis heute nicht die Ursachen und Auslöser für solch grauenvolle Taten, aber das Waffengesetz in Deutschland ist sicher noch nicht sicher genug, solange mir Kinder von Waffenbesitzern erklären, dass sie, wenn sie es darauf anlegen würden, an die Waffen der Eltern kommen würden.

Aber mir stößt eines immer und immer wieder auf, nämlich die Leute, die die Amerikaner als Idioten darstellen, weil sie so verliebt in ihre Waffen sind. Ich kann das auch nicht verstehen! Aber ich finde es immer wieder bedenkenswert, wenn Menschen über andere Kulturen schelten. Bitte nicht falsch verstehen: Ich bin kein Freund von Schusswaffen, ganz im Gegenteil. Aber wir, aus Sicht von Europäern, haben andere Lebenseinstellungen als Amerikaner – Gott sei Dank (wir haben auch ein Krankensystem welches im Vergleich zu den Amis solidarisch ist und gute Leistungen erbringt, unser Bildungsniveau ist höher und auch unsere Produkte sind qualitativ hochwertiger (amerikanische Autos sind zum Teil noch auf dem technischen Niveau der 70er Jahre, aber das würde an dieser Stelle zu weit führen)). Ich kann auch nicht verstehen wie man Polygamie gut finden kann, deswegen würde ich mir aber auch noch lange nicht anmaßen z.B. Zulus deswegen zu verurteilen. Die Amerikaner haben eine andere Einstellung zu Waffen, das ist kulturell durch ihre Verfassung gefestigt. Diese sollten sie zwar aus eigenem Interesse ändern (auf 100.000 Einwohner kommen 3,6 Tote durch Schusswaffen – jährlich. Trauriger Maximalwert in einem westlichen Land), aber wir sollten es tunlichst vermeiden uns in die Angelegenheiten und Souveränität anderer Staaten einzumischen.
Aber kommen wir zu dem Punkt den ich viel kranker finde, als die Waffenrechtsdiskussion in den USA: Vor ein paar Tagen erhielt die Europäische Union den Friedensnobelpreis, in Amerika ereignet sich ein Amoklauf, wie er in Perversion, Irrsinnigkeit und Sinnlosigkeit nicht mehr zu überbieten ist und die EU-Kommission und der EU-Rat haben nichts Besseres zu tun als sich öffentlich zur Rüstungsindustrie zu bekennen, denn sie bringe Stabilität, Wirtschaftliches Wachstum und würde viel Forschung betreiben, sie sichert uns eine Vorreiterrolle auf der Welt.

Wenn das erstrebenswert ist, dann bleibe ich lieber schlechtes Beispiel und verzichte auf meine Vorreiterrolle.

Herr Barroso, Herr van Rompuy, kleine Erklärung am Rande: Waffen töten Menschen. Wir, die Friedensnobelpreisträger, sollten nichts bauen was Menschen umbringen könnte. Ich finde, dass das eine Logik ist, der man folgen kann. Andere Industriesparten entwickeln daran dass Menschen NICHT sterben (die Luft- und Raumfahrtindustrie, die Automobilhersteller oder einfach jeder Haushaltsgerätehersteller hat ein Interesse an seiner Kundschaft und versucht sie lange am Leben zu erhalten!), aber EADS, KraussMaffeiWegmann und Thyssen töten Menschen! DAS ist die Perversion!

Wenn ihr das nächste Mal einen Bericht zum Newtown Massacre seht, dann denkt dran: Dem Kind ist es egal ob es von einer Walther Pistole, einem Heckler & Koch Sturmgewehr, von einem Eurocopter, einem KraussMaffeiWegmann Leopard oder sonst was erschossen wird. Waffen töten Menschen – und leider auch Kinder. Und ich glaube, dass durch deutsche Waffen täglich mehr Kinder weltweit sterben als an diesem traurigen Tag in Newtown.

Meine besten Wünsche an Frank Haun, Wulf-Heinz Pflaumer und Franz Wonisch, Andreas Heeschen, Thomas Enders, Volker Kauder, Philip Rösler und Angela Merkel. Mit deren Gewissen könnte ich nicht schlafen.

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