Sonntag, 6. Januar 2013

Die FDP sucht ihre drei Könige

Von Robin Voss


Das Beeindruckende an der FDP ist und bleibt: Man geht zum Dreikönigstreffen der FDP nach Stuttgart, schraubt seine Erwartungen so niedrig, dass sie eigentlich nur übertroffen werden können, und die FDP segelt meilenweit darunter hindurch.

Ich möchte zunächst im Vorhinein klären, dass ich generell kein Feind des Liberalismus bin und fühle mich auch nicht angesprochen, wenn Parteifunktionäre der FDP von der Kontrollierungswut der politischen Linken sprechen. Im Gegenteil: Ich, als Sozialdemokrat, habe das Mitgliederbegehren gegen die Vorratsdatenspeicherung unterstützt. Außerdem glaube ich, dass Sabine Leutheusser-Schnarrenberger die wohl einzige wirklich fähige Person im Kabinett Merkel ist, gerade weil sie vehement für liberale Werte eintritt – die letzte Liberale der Führungsriege der FDP.

Ich bin mir auch bewusst, dass wenn ich das Dreikönigstreffen besuche, ich Polemik erwarten und eine inhaltliche Debatte zu vergessen habe. Aber derart viel Selbstbeweihräucherung ist erschütternd. Immerhin haben die Julis, nicht wie in den vorangegangenen Jahren, darauf verzichtet per Banner ihre Zuneigung zur Parteispitze auszudrücken – ein Juso streitet sich lieber mit den Parteioberen um die Partei und die Gesellschaft voranzutreiben. Anstelle, dass man eine Programmatik im aufkeimenden Bundestagswahlkampf aufstellt, hat man eine unsagbar nervige Birgit Homburger, die der politischen Linken Stillstand in Sachen Forschungsförderung vorwirft, einem Hans-Ulrich Rülke, der von der Historie der FDP schwärmt wobei er lieber Antworten für das Leben der Menschen geben sollte (und noch politische Hetze betreibt, welche an Demagogie grenzt!), ein Rainer Brüderle, der überaschenderweise Vokale benutzt hat und in verständlicher Sprache Errungenschaften wie die Absenkung des Rentenniveaus und die niedrige Jugendarbeitlosigkeit als Werk der Liberalen darstellt (ersteres wurde jedoch von Ursula von der Leyens Ministerium durchgesetzt obgleich die Bundesregierung keine Ahnung hat wie sie die Renten in Zukunft finanzieren soll – absolut faszinierend wie konsequent unlogisch gehandelt wird; zweiteres ist eindeutig auf die Agendapolitik der Regierung Schröder zurückzuführen, da sind sich so manche Wirtschaftswissenschaftler einig und ansonsten würde ja Angela Merkel wohl kaum dem europäischen Ausland eine Schrödersche Agendapolitik empfehlen) und einen Philip Rösler, der rhetorisch wohl das schwächste Mitglied einer Bundesregierung seit der Wiedervereinigung ist, dessen Rede erst nach einer Viertelstunde in Fahrt kam und der am Ende wohl doch nichts gesagt hat. Einzig Dirk Niebel hat den Anstand seine Partei offen zu kritisieren, was er wohl auch nur macht weil innerparteiliche Kritik nicht mehr zu helfen scheint – dieser Mann scheint der einzig verbliebene Vernünftige in dieser Partei zu sein.

Immer wieder erzählen die Liberalen von Freiheit. Einzig die FDP würde die Freiheit in Deutschland, wenn es darauf ankäme, sichern. Mein Nebensitzer Florian Burkhardt stellte mehrmals laut in unserer Reihe die rhetorische Frage, welche Partei als einzige gegen das Ermächtigungsgesetz gestimmt habe. Die FDP hat nicht die Deutungshoheit in Fragen der Freiheit. Mir kommt es fast so vor, als seien der FDP die Themen ausgegangen und so begann man in einem Hinterzimmer im Thomas-Dehler-Haus sich zu überlegen wofür der erste Buchstabe des Parteikürzels überhaupt stehe. Freiheit! Das hat ja schließlich auch bei Joachim Gauck super geklappt. Das wird das neue Kampfthema der Liberalen.

Ich bin zutiefst enttäuscht über die Illusionen, die diese Partei sich selbst vormacht. Anstelle von Selbstkritik übt man den Angriff nach vorne, ohne Plan, ohne Ziel und ohne Inhalte. Meiner Partei kann nichts Besseres geschehen wie diese Führung der Liberalen und das erfüllt mich fast schon mit Gefühlen des Mitleids. Deutschland braucht eine starke Liberale Partei, vollkommen außer Frage, aber die FDP ist dies schon lange nicht mehr. Wenn sie es überhaupt je waren.

Wenn die FDP endlich erkennt, dass auch die alte Tante SPD in ihren Grundsätzen Freiheit stehen hat, dass Freiheit auf den Märkten in Unfreiheit der Menschen mündet und dass ein starker Staat kein verabscheuendes, wachstumfressendes, gleichmacherisches Monstrum ist (erschütternd wie Mitglieder unserer Bundesregierung über den Staat sprechen! Erschütternd!), dann und erst dann ist eine Kooperation der ehem. Koalitionspartner möglich.

Diesen Blogeintrag möchte ich mit einer kleinen Hausaufgabe für Liberale beenden: Findet mal heraus von wem die Worte stammen: „Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht.“

Glück auf. Auf dass diese Partei aus dem Bundestag fliegt.

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