Sonntag, 27. Januar 2013

The Life of Rainer

Von Robin Voss

Rainer Brüderle macht Schlagzeilen. Er soll, anscheinend betrunken, eine Stern-Reporterin angemacht haben welche seine innigen Gefühle wohl nicht geteilt hat. Und das wird nach der Ernennung zum Spitzenkandidaten publiziert. Autsch.

Die Medien haben das mit Absicht geplant. Sagt die FDP. Dass der Redaktionsschluss zur aktuellen Sternausgabe vor der Ernennung zum Spitzkandidaten gewesen sein dürfte versteht die FDP wohl nicht. So wird von einer Kampagne der Presse gegen Brüderle gesprochen, im Zweifelsfall denunziert man die Presse und vorallem die betroffene Dame.

Ich möchte klarstellen: Es interessiert mich nichts weniger als das Privatleben von Rainer Brüderle, sogar Daniela Katzenberger und die Wollnys stehen in meinem Interessenranking über ihm. Rainer Brüderle kann in seiner Freizeit tun und lassen was er möchte, in seinem privaten Umgang muss er sich nur vor den Anwesenden und sich selbst rechtfertigen. Ich werde hier jedoch in keinem Punkt sein Verhalten relativieren.

Was viel erschütternder ist, mit wie viel Chauvinismus manch einer Brüderle zur Seite springt. Solange es beim in den Ausschnitt gucken, bei einem blöden Spruch oder vielleicht sogar einem Grabscher bleibt sei die Welt doch in Ordnung.

Bitte?

Wo beginnt Sexismus und – die viel wichtigere Frage - wo hört er auf?
Hat nicht erst vor kurzem eine Vergewaltigung in einem indischen Bus stattgefunden bei der eine junge Frau ums Leben kam? Alle fanden dies schrecklich, wohl auch Rainer Brüderle. Doch auch diese Handlung fußt auf Sexismus, ausgelöst von einem Frauenbild, welches sie zu einem Lustobjekt ohne Rechte degradiert.
Ich bin der letzte Mann auf dieser Welt, der fordert, dass wir den Unterschied der Geschlechter aufheben sollen – der Unterschied zwischen Mann und Frau ist von der Natur gegeben und mündet auch in unterschiedlichen Kleidungsstilen (Ich trage kein Make-up und keine High Heels was wohl an meinem Geschlecht liegt und Hemd und T-Shirt steht mir meines Erachtens auch eindeutig besser als ein luftiges Sommerkleid), im unterschiedlichem Umgang zu Freunden und Freundinnen und auch Verhalten gegenüber dem anderen Geschlecht. Allerdings möchte ich anmahnen, dass im alltäglichen Leben der Respekt voreinander an erster Rolle stehen muss.

Ich will nicht, dass Rainer Brüderle als schlechter Mensch dasteht, das weiss ich nicht, ich kenne ihn nicht, ich beurteile Politiker lieber nach Ihrem Wirken und da kann ich klar sagen, dass Brüderles größte politische Leistung wohl das Ankurbeln der Weinindustrie in Rheinland-Pfalz nach seinem Besuch bei Harald Schmidt war der unter dem Titel „Saufen mit Brüderle“ stand.

Es ist eher ein Problem einer Generation von Männern, welche es nicht besser weiss. Klar, Unwissenheit schützt vor Strafe nicht, aber es ist wichtig, dass man darauf aufmerksam macht, dass dieser Umgang mit Frauen, welchen wohl auch „Spitzen“politiker dieses Landes pflegen, wohl aus einer anderen Welt kommt und sich dieses Verhalten wohl auch weiter in jüngere Generationen vererben wird, falls man sich nicht in aller Öffentlichkeit dagegen stellt.

Jeder Mann, der dies liest, sollte sein Verhalten gegenüber Frauen, unabhängig ob er sich für einen Brüderle hält oder nicht, überdenken. 

P.S. An alle Jungs: Es ist auch viel schöner ein Gentleman zu sein wie ein lüsterner Prolet ;-)

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